

Frankfurt am Main, 12. Oktober 2026. Die Rail-Flow GmbH hat mit dem Resource Sharing Broker (RSB) eine digitale Plattform entwickelt, über die Eisenbahnverkehrsunternehmen Lokomotiven tage-, wochen- oder monatsweise kurzfristig mieten und vermieten können. Die meisten teilnehmenden Unternehmen nutzen dabei beide Rollen. Sie decken kurzfristigen Bedarf und vermieten zugleich eigene, zeitweise ungenutzte Fahrzeuge. Entstanden ist der RSB in zweijähriger Entwicklungs- und Erprobungsphase gemeinsam mit den Projektpartnern Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und der BELog Baustoffe-Entsorgung-Logistik GmbH & Co. KG. Nun geht die Plattform dauerhaft in den Regelbetrieb über.
Der Bedarf dafür wächst, denn während etablierte Akteure Verkehre abgeben und private Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) zunehmend Volumen übernehmen, steigt dort die Nachfrage nach flexibler Anmietung neben dem etablierten Langfristleasing. Kurzfristige Verkehrsspitzen und eine Zunahme von Spotverkehren werden für immer mehr Unternehmen zum Regelfall statt zur Ausnahme. Hinzu kommt der klassische Anwendungsfall einer kurzfristig reduzierten Lokverfügbarkeit, etwa durch unerwartete Lokausfälle, verlängerte Werkstattstandzeiten oder verzögerte Fahrzeugauslieferungen.
Zugleich bleibt Kapazität ungenutzt, die andernorts dringend gebraucht wird, und das in einem Markt, der nach derzeit rückläufigen Trassenkilometern mittelfristig wieder Wachstum erwartet. Die Auslastung der Lokomotiven im Schienengüterverkehr liegt im Durchschnitt unter 70 Prozent. Genau an dieser Lücke setzt der RSB an, denn er bringt freie Fahrzeuge und kurzfristigen Bedarf zusammen und macht aus stillstehenden Lokomotiven verfügbare Kapazität und Umsatz.
„Als Eisenbahnverkehrsunternehmen mit eigener Flotte kennen wir beide Seiten: Wir brauchen kurzfristig zusätzliche Loks und haben zugleich Fahrzeuge, die zeitweise ungenutzt bleiben. Der RSB gibt uns dafür endlich ein Werkzeug, das den gesamten Vorgang abbildet, von der Anfrage bis zur Rückgabe."
Timo Pape, General Manager der BELog Baustoffe-Entsorgung-Logistik GmbH & Co. KG.
Von der ersten Idee bis zur laufenden Plattform vergingen rund zwei Jahre. Im Dezember 2024 ging ein Minimum Viable Product (MVP) live, im Juli 2025 folgte das Minimum Marketable Product (MMP) mit erweitertem Funktionsumfang für den produktiven Einsatz. Begleitend fanden mehrere Kundenworkshops statt, in denen gemeinsam mit Mietern und Vermietern unter anderem Standardverträge und Checklisten für die Fahrzeugübergabe erarbeitet und laufend verfeinert wurden.
Heute bildet der RSB den vollständigen Prozess einer kurzfristigen Lokvermietung digital ab: von der Anfrage über Angebotsvergleich und Vertragsverhandlung bis zur digitalen Übergabe und Rückgabe der Lokomotive per Checkliste. Vermieter können ihre eigenen, flexibel gestalteten Preismodelle nutzen, Mieter Anfragen gezielt nach Loktyp oder Loktypgruppen sowie nach technischen Eigenschaften filtern. Über die Betriebsbedingungen lassen sich besondere Anforderungen oder Einschränkungen schnell festlegen, bestätigen oder ablehnen. Ergänzt wird der Prozess durch einen In-App-Chat, ein zentrales Dokumentenmanagement, eine Preisvergleichsfunktion sowie Vorlagen für wiederkehrende Anfragen. Auch Sonderfälle wie Untervermietung und Vertragsverlängerungen sind abgebildet.
„Kurzfristige Lokanmietung war lange ein Geschäft aus Telefonaten, E-Mails und Excel-Listen. Mit dem Resource Sharing Broker haben wir daraus einen digitalen, schlanken Prozess gemacht, der in Stunden statt in Tagen zum Vertrag führt. Dass wir die Plattform nach dem Ende der Förderung aus eigener Kraft weiterbetreiben, ist für uns das eigentliche Qualitätssiegel: Der Markt braucht sie, und deshalb bleibt sie.“
Dominik Fürste, Co-CEO der Rail-Flow GmbH
Dabei ersetzt der RSB die in der Branche gewachsenen persönlichen Netzwerke und Geschäftsbeziehungen nicht, sondern erweitert sie. Nutzer erreichen ihr bestehendes Netzwerk noch schneller als bisher und erhalten darüber hinaus unkompliziert Zugang zu weiteren potenziellen Vermietern beziehungsweise Mietern, die über persönliche Kontakte allein nicht erreichbar wären. In den zwei Jahren seit dem Start der Erprobung hat sich die Plattform bereits zu einem laufenden Marktplatz mit einer wachsenden dreistelligen Zahl teilnehmender Mieter und Vermieter entwickelt.
„Für die Auslastung im Schienengüterverkehr ist der Zugang zu freien Kapazitäten entscheidend. Der Resource Sharing Broker zeigt, wie sich aus einem Forschungsansatz ein funktionierender, zweiseitiger Marktplatz entwickeln lässt, der Vermietern und Mietern messbaren Nutzen bringt."
Sandra Jankowski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team Verkehrslogistik am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML.
Möglich wurde die Entwicklung durch eine Förderung des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) im Rahmen des Bundesprogramms Zukunft Schienengüterverkehr (Z-SGV). Die Förderung endete planmäßig zum 30. September 2026. Mit der eigenständigen Fortführung des Resource Sharing Broker im Regelbetrieb durch Rail-Flow wird die im Projekt entwickelte Lösung dauerhaft am Markt verfügbar bleiben.
Bildhinweis (v.l.n.r.): Timo Pape, Geschäftsführer BELog; Danny de Schultz, Team Z-SGV beim DZSF; Christopher Smith, Project Manager RSB bei Rail-Flow; Jochen Schäfer, Senior Funding & Partner Manager bei Rail-Flow; Julia Bräutigam, Referentin Z-SGV beim DZSF; Sandra Jankowski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fraunhofer IML.
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