Der Rail Capacity Broker: Die fehlende Kooperationsebene für den Einzelwagen- und Wagengruppenverkehr.

Wer transportiert meine Wagengruppe von Antwerpen nach Leipzig? Jahrzehntelang war die Antwort einfach. Ein Land, ein Anbieter, ein Anruf. Jeder wusste, wen er kontaktieren muss.

Stellt man dieselbe Frage heute, ist die Antwort deutlich komplizierter geworden. Allein in Deutschland haben 2024 rund 70 Eisenbahnverkehrsunternehmen Förderung im Einzelwagenverkehr beantragt. Neue Akteure sind hinzugekommen. Netze haben sich erweitert. Grenzüberschreitende und nationale Kooperationen zwischen verschiedenen Anbietern finden bereits statt. Der Markt für kleinere Sendungsgrößen befindet sich im strukturellen Wandel.

Es fehlt nicht an Nachfrage. Es fehlt nicht an Kapazität. Was fehlt, ist das Zueinanderfinden – die richtige Transportanfrage zur richtigen verfügbaren Kapazität, über Betreibergrenzen hinweg, zum richtigen Zeitpunkt – und die Abwicklung geschieht noch immer überwiegend per Telefon, E-Mail und Excel-Tabelle. In einem so fragmentierten Markt reicht diese Reibung aus, um eine Sendung scheitern zu lassen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Kleinere Verkehre werden hinten angestellt. Züge fahren mit freier Kapazität, von der niemand wusste. Potenzielle Bahnverkehre verlagern sich still und leise zurück auf die Straße.

Genau dieses Problem soll der Rail Capacity Broker lösen – nicht, indem er die Beziehungen und das Fachwissen ersetzt, die diesen Markt am Laufen halten, sondern indem er ihnen Transparenz und ein Kollaborationstool als Fundament gibt, das es zuvor in dieser Form nicht gab.

Warum sich Zusammenarbeit nur schwer skalieren ließ

Die Bahnbranche weiß bereits, wie Zusammenarbeit funktioniert. Operateurübergreifende Transporte sind nicht neu. Neu ist die Größenordnung, in der diese Zusammenarbeit heute stattfinden muss.

Als eine Handvoll Anbieter die meisten Korridore abdeckte, war die Koordination per Telefon noch zu bewältigen. Wenn 70+ Betreiber jeweils nur Ausschnitte des Netzes abdecken, explodiert das kombinatorische Problem. Kein einzelner Disponent kann all das im Kopf halten. Keine E-Mail-Kette kann effizient eine Transportanfrage in Antwerpen mit freier Kapazität auf einem Zug abgleichen, der durch Wiesbaden Ost fährt. Und niemand hatte die Zeit, die geeignete Infrastruktur aufzubauen, die dieses Matching und die gemeinsame Zusammenarbeit schnell, verlässlich und wiederholbar machen könnte.

Das Ergebnis ist ein Markt, der bei den Transaktionen kooperiert, die er ohnehin kennt – und die übrigen systematisch verpasst.

Was sich ändert – und was nicht

Der RCB basiert auf einer Erkenntnis aus der Branche: Die Beziehungen bleiben. Die Menschen bleiben. Was sich ändert, ist die Koordinationsebene darunter.

„Der Schienengüterverkehr wird nicht dadurch wettbewerbsfähiger, dass er digital genau das tut, was er früher auf Papier getan hat. Die Prozesse selbst müssen neu gedacht werden. Die Frage lautet nicht: ‚Wie finde ich schneller einen Anbieter?‘, sondern: „Warum mache ich das eigentlich noch genauso wie 2006?“, so Dominik Fürste, Co-CEO von Rail-Flow.

Der Rail Capacity Broker beantwortet diese Frage nicht, indem er die Menschen wegautomatisiert, die diese Korridore und diese Züge kennen. Er beantwortet sie, indem er ihr Wissen auffindbar und kombinierbar macht – in einem Maßstab, der zuvor nicht möglich war.

Ein Lead-Operator übernimmt weiterhin die Verantwortung gegenüber dem Kunden. Persönliche Kontakte bleiben auf bestimmten Korridoren sichtbar. Was sich verschiebt, ist die Geschwindigkeit, mit der ein Transportkonzept aus den Bausteinen zusammengesetzt werden kann, die bereits am Markt vorhanden sind.

Eine Plattform für die Zukunft des Wagengruppenverkehrs

Der Einzelwagenverkehr steht an einem Scheideweg. Staatliche Förderung gibt es in Deutschland und in anderen europäischen Ländern genau deshalb, weil die Politik erkannt hat: Ohne strukturellen Eingriff droht der Wagengruppenverkehr für kleinere Volumina an Relevanz zu verlieren – und mit ihm das ökologische Argument für die Verkehrsverlagerung.

Der Rail Capacity Broker ist Rail-Flows Antwort auf diese strukturelle Frage. Nicht als Fördermechanismus, sondern als Marktinfrastruktur:

Eine neutrale Plattform,

  • auf der Angebot und Nachfrage effizient zueinanderfinden,
  • auf der Betreiber, die zuvor kein durchgehendes Angebot bauen konnten, dies nun gemeinsam tun können
  • auf der eine Sendung, die zu klein, zu kompliziert oder zu zeitaufwendig gewesen wäre, um sie auf der Schiene zu verfolgen, zu einer realistischen Option wird.

Das MVP ist live. Pilotverkehre werden aktiv gesucht. Die Plattform ist bereit, von den Menschen mitgestaltet zu werden, die diese Märkte am besten kennen.

Kapazitäten anbieten oder Transportbedarfe melden – beides geht hier.

Der Rail Capacity Broker wird vom Bundesministerium für Verkehr im Rahmen des Programms „Zukunft des Schienengüterverkehrs“ (Z-SGV) gefördert und gemeinsam mit dem Fraunhofer IML und Captrain entwickelt.